Wie steuert unser Körper Hunger und Sättigung und warum funkt uns der Appetit so oft dazwischen?

Zahlreiche Botenstoffe, Rezeptoren und Sinneseindrücke beeinflussen Hunger und Sättigung. Der Mechanismus ist extrem komplex und noch gar nicht vollständig erforscht. Wissenschaftlich belegt ist jedoch, dass vor allem der Hypothalamus, ein Bereich des Kleinhirnes, als Steuerzentrale für die Nahrungsaufnahme gilt. Zu ihm gelangen alle Informationen über die momentane Energieversorgung und vorhandenen Energiespeicher. Das Regulationssystem kann nur leider schnell durch hormonelle Defekte, aber auch durch angelernte Verhaltensweisen gestört werden und zu Übergewicht, Fettleibigkeit oder Unterernährung führen.

Die Empfindung Hunger wird vom Hypothalamus ausgesendet, wenn dieser einen Energiemangel feststellt. Signale wie sinkender Blutzucker, steigende Ghrelin-Konzentration oder sinkende Leptin-Konzentration führen dabei zu einer Aktivierung des Hungergefühls. Ghrelin ist ein Hormon, das vom leeren Magen ausgeschüttet wird, Leptin wird hingegen vom Fettgewebe ausgeschüttet. Es gibt noch viele weitere Hormone und Neutrotransmitter, die ebenfalls eine Rolle bei der Nahrungsaufnahme spielen. Zusätzlich können Dehnungs- und Chemorezeptoren den Inhalt des Magen-Darmtrakts beurteilen und entsenden ebenfalls Signale an das Gehirn.

Das Gefühl der Sattheit stellt sich frühestens 10-15min nach Beginn der Essensaufnahme ein. Die Dehnung des Magens ist das erste Signal, das zum Gehirn gelangt. Gelangen die Nährstoffe weiter in den Darm, werden dadurch weitere Botenstoffe ausgeschüttet, die ebenfalls dem Hypothalamus anzeigen, dass gerade Nährstoffe im Körper aufgenommen werden. Die Regulationsmechanismen der Sättigung sind allerdings weit weniger ausgeprägt als die für Hunger. Sie waren in früheren Zeiten, in denen Nahrungsmittel eher Mangelware waren, kaum notwendig.

In Bezug auf die Traumfigur haben wir quasi im Duell Hunger gegen Sättigung schon einen Nachteil, und dann funkt auch noch ein dritter Mitspieler dazwischen - der Appetit. Er tritt unabhängig vom Hunger auf, denn dabei geht es vielmehr um Lustempfinden, Genuss und Wohlbefinden. Essen, aufgrund von Appetit, führt zu einer gesteigerten Dopaminfreisetzung und Serotoninproduktion. Beides sind bekannte „Glückshormone“, die die Stimmung steigern und Zufriedenheit vermitteln. Im Gegensatz zu Hunger ist Appetit ein erlernter Prozess. Zusätzlich kommen noch kulturelle Einflüsse wie positive Belohnung mit Süßigkeiten, „Aufessen was am Teller liegt“, All You can Eat-Buffets oder XL-Portionen hinzu, die unser Essverhalten hingehend zu einer immer größeren Nahrungsaufnahme beeinflussen und unser natürliches Sättigungsgefühl unterdrücken.

Ein kleiner Tipp von uns: Versucht einen Tag lang ganz bewusst auf euer Essverhalten zu achten. Was sind eure Gründe fürs Essen? Sind es wirklich Magenknurren und Energiemangel, also Hunger, die euch zum Kühlschrank führen, oder doch eher Appetit, Gusto, Langeweile oder Frust?

Marlene Schütz, Diätologin & what's the menu

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Marlene Schütz

Aus zahlreichen (anfangs noch fehlgeschlagenen) Versuchen Omas Lebkuchen nachzubacken, hat sich mittlerweile eine große Leidenschaft fürs Kochen und Backen entwickelt. Am meisten freue ich mich neue Sachen auszuprobieren. „Darf ich kosten?“ zählt wohl zu meinen meistbenützen Sätzen. Mit dem Diätologie-Studium konnte ich mein Interesse für Lebensmittel und deren Auswirkungen auf den Körper zum Beruf machen und bin seit Jahren sowohl im Spital als auch freiberuflich tätig.