Schummeleien der Lebensmittelindustrie

Foodwatch

Den Herstellern geht es um Profit. Da wird dann auch schon mal getäuscht, um ihr Produkt gesünder, besser, hochwertiger oder auch einfach nur günstiger wirken zu lassen als die Konkurrenz. Schaut euch mal die Waren im Supermarkt genauer an und ihr werdet sicher ein paar Schummeleien entlarven.

Gesundheitsbezogene Angaben
Seit 2012 werden Angaben zum Gesundheitswert eines Produktes durch die Health Claims-Verordnung reguliert. Davor konnte ein Produkt mit „Leistungssteigernd“, „Stärkt das Immunsystems“ oder „Wachstumsfördernd“ beworben werden, ohne wissenschaftliche Beweise liefern zu müssen. Auch jetzt noch hat die Industrie Wege gefunden, diese Einschränkungen zu umgehen. Durch Zusatz von Vitaminen können Lebensmittel gesünder dargestellt werden, als sie wirklich sind. Ein Blick auf Zutatenliste und Nährwertangaben kann helfen herauszufiltern, was neben den beworbenen Inhaltsstoffen noch alles enthalten ist. Oft ist das viel Fett und Zucker.

Ohne Zusatzstoffe
„Ohne Geschmacksverstärker“, „ohne künstliche Farbstoffe“, „ohne …“ – hört sich toll an, oder? Clean Label vermitteln den Verbraucher, dass es sich um ein natürliches Lebensmittel, ohne unerwünschte Inhaltsstoffe, handelt. Häufig werden diese unbeliebten Inhaltsstoffe durch Alternativen ersetzt. Diese müssen nicht als Zusatzstoff gekennzeichnet werden, haben aber die gleiche Wirkungsweise im Produkt. Statt Glutamat wird Hefeextrakt oder Sojaprotein zugesetzt. Konzentrate oder Pulver aus Obst und Gemüse gelten zwar nicht als Farbstoffe, werden aber genau deswegen z.B. einem Joghurt zugesetzt, wodurch es hochwertiger wirkt. Je mehr Arbeitsschritte hinter einem Produkt stecken, desto mehr Zusatzstoffe sind im Normalfall zugesetzt.

Mogelpackungen und Füllmengen
Um mehr Inhalt vorzutäuschen ist oft unverhältnismäßig viel Luft in der Verpackung. Kennen wir sicherlich alle, wenn wir voller Vorfreude die Chips-Packung aufreißen und dann ist sie nur zur Hälfte gefüllt. Auch doppelte Böden, überdimensionierte Überkartons oder Doppel- & Dreifachverpackungen gaukeln eine größere Füllmenge vor. Eine weitere Strategie ist das sogenannte „Downsizing“. Durch neues Design oder mit Hinweisen wie „neue Rezeptur“ oder „bessere Qualität“ wird häufig verschleiert, dass sich die Füllmenge verkleinert hat, während der Preis gleich geblieben ist. Ein vergleichender Blick auf den Grundpreis (€/100g oder €/1kg) hilft, solchen Mogeleien auf die Spur zu kommen.

Viele konkrete Produktschummeleien und weitere Tricks der Lebensmittelindustrie findet ihr unter www.lebensmittelklarheit.de und www.foodwatch.de.

Marlene Schütz, Diätologin & what's the menu

Zum Blog Mehr zu what's the menu
Marlene Schütz

Aus zahlreichen (anfangs noch fehlgeschlagenen) Versuchen Omas Lebkuchen nachzubacken, hat sich mittlerweile eine große Leidenschaft fürs Kochen und Backen entwickelt. Am meisten freue ich mich neue Sachen auszuprobieren. „Darf ich kosten?“ zählt wohl zu meinen meistbenützen Sätzen. Mit dem Diätologie-Studium konnte ich mein Interesse für Lebensmittel und deren Auswirkungen auf den Körper zum Beruf machen und bin seit Jahren sowohl im Spital als auch freiberuflich tätig.